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Horst von Buttlar: Der Capitalist: Das Notsignal der Notenbank: Warum die Weltwirtschaft mit Donald Trump unberechenbar bleibt

Horst von Buttlar: Der Capitalist: Das Notsignal der Notenbank: Warum die Weltwirtschaft mit Donald Trump unberechenbar bleibt




Wir sind es gewohnt, dass Notenbanker eine eigene Sprache sprechen, sie murmeln meist in Nuancen, und den Windungen dieser Tonspur können meist nur Fachleute folgen. Außer, die Hütte brennt, dann sie sagen sie auch mal “Whatever it takes”.Von allen Sätzen, die zum Zinsentscheid der US-Notenbank Fed diese Woche gefallen sind, ist mir deshalb einer aufgefallen: “Wir haben wenig Erfahrung damit, auf Spannungen im globalen Handel zu reagieren”, hat Fed-Chef Jerome Powell gesagt, als er die erste Zinssenkung seit 2008 kommentierte. “Mit so etwas wurden wir zuvor noch nie konfrontiert, das ist ‘learning by doing’.”kurzbio horst von buttlarLearning by doing – das ist eine außergewöhnliche Formel für den Chef der mächtigsten Notenbank der Welt, und sie offenbart eine hohe Nervosität, sie ist fast ein Notsignal. Übersetzt heißt dies ungefähr das: So lange wir diesen erratischen Präsidenten haben, ist unser Job verdammt schwierig, und wir können nur unser Bestes geben. Und wie zum Beweis kündigte Donald Trump am Tag drauf via Twitter neue Zölle gegen China an, ab September, zehn Prozent für Produkte im Wert von 300 Mrd. Dollar.Das Neuland der NotenbankNun haben Notenbanker schon öfters Neuland betreten, auch viel riskanter und radikaler, etwa nach der Finanzkrise, als sie die Zinsen auf Null drückten und Milliarden in die Märkte pumpten. Diesmal agiert die Fed indes völlig im Rahmen ihrer Toolbox, sie senkt einen Leitzins um 0,25 Basispunkte. Das Neuland ist das Umfeld, in dem sie das tut – Notenbanken agieren sonst im Zyklus der Konjunktur, sie lesen ihre Zahlen und Parameter und handeln danach. Nun reagieren sie auf eine Furie im Weißen Haus, der „irrationale Überschwang“, der Märkte oft kennzeichnet, ist diesmal egomanisch.Insofern war das klare Signal, was Notenbanken ansonsten an Märkte und die Weltwirtschaft senden, misslungen: Die Senkung verpuffte und Powell verwirrte, während Trump erneut das Feuer eröffnete, erst auf Powell, dann auf China.Es ist ein seit Monaten tobender Kampf zwischen zwei mächtigen Männern: der Präsident der USA gegen den Chef der US-Notenbank. Theoretisch hätte Powell die Zinssenkung auch verweigern und damit den Aufschwung – den längsten in der Geschichte der USA – dämpfen oder gar abwürgen können. Das hätte Trumps Wiederwahl gefährdet, denn für ihn zählen nur das Wachstum, die Arbeitslosigkeit und die Börsen. Deutsche Bank 1035Der Fed geht es nicht anders als Huawei oder BMWDer jüngste Showdown hat Powell nicht gut aussehen lassen, er wirkte wenig souverän. Dass Notenbanken auch nicht immer wissen, wie sie mit diesen sprunghaften Launen umgehen sollen, ist diese Woche noch deutlicher als sonst geworden. Es ist ein beunruhigendes Eingeständnis: Der Fed geht es am Ende auch nicht anders als Huawei, BMW, Xi Jinping oder Angela Merkel. Sie alle planen in der Aufmerksamkeitsspanne eines Donald Trumps, immer zwischen „Fire und Fury“, und reagieren so gut es geht auf die immer verheerenderen Folgen seines Handelskrieges.Nicht nur für die Weltwirtschaft, vor allem für Deutschland verheißt das weiter nichts Gutes. Die Industrie sendet immer neue Alarmsignale, wir erleben fast jeden Tag Umsatzeinbrüche, Gewinnwarnungen, erste Insolvenzen. Zuletzt warnte der Zulieferer ZF Friedrichshafen vor sinkenden Gewinnen, nach anderen Branchengrößen wie Continental und Schaeffler.Ob daraus eine Rezession wird, wird derzeit in Kaffeesatzleserunden diskutiert, das hängt auch ein wenig von der Furie im Weißen Haus und seinem Furien-Klon in Downing Street 10 ab. Der Tenor derzeit: Der Euroraum als Ganzes in intakt, der Beschäftigungsaufbau geht sogar weiter, die Herzkammer der deutschen Wirtschaft aber leidet. Und es gibt kaum ein Zeichen der Besserung.



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Publish date : 2019-08-03 06:23:29

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