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Formel-1-Pilot: Von wegen Millennials sind arbeitsscheu: Was wir von Charles Leclerc lernen können

Formel-1-Pilot: Von wegen Millennials sind arbeitsscheu: Was wir von Charles Leclerc lernen können




Millennials seien faul, würden keine Überstunden machen wollen, nicht aus ihrer Komfortzone herauskommen und hätten so generell eine schlechte Arbeitsmoral – so lautet der Vorwurf, der der Generation Y von Arbeitgeberseite immer wieder gemacht wird. Zuletzt von Headhunter Klaus Hansen in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung”. Die Millennials hätten eine “Turnschuh-Mentalität”, meinte der.Einer, von dem man das allerdings nicht im Geringsten behaupten kann, ist Charles Leclerc. Der 21-jährige Monegasse und seine Arbeitseinstellung dürften am Wochenende alle verblüfft haben, denn nach dem mehr als enttäuschenden Ergebnis vor zwei Wochen, kam er an diesem Wochenende mit einem Paukenschlag zurück an den Start. Wir erinnern uns: Nachdem sich die Hitze in Österreich als Achillesferse der Mercedes herausstellte, führte Leclerc in seinem Ferrari in Spielberg über viele viele Runden das Feld an, sah sich mit Sicherheit schon als Sieger über die Ziellinie rollen. Doch ein brillant fahrender Max Verstappen machte ihm mit einem aggressiv gefahrenen Manöver einen Strich durch die Rechnung und überholte den jungen Monegassen in Runde 69. Racing, sagten einige, unfair andere. Doch die Stewards entschieden: Fair. Der Red-Bull-Pilot durfte seinen Sieg behalten, Leclerc musste sich mit dem zweiten Platz begnügen.Empörungsgesellschaft Formel 1_16.40Während einige daraufhin vermutlich schmollend in ihre Löcher verschwunden wären und noch ihren Jahrzehnte später ihren Urgroßenkeln davon erzählen würden, dass sie einst beinahe den Grand Prix in Österreich gewonnen hätten, legte Leclerc einen Schalter um. Keine zwei Wochen nach dem Vorfall meldete er sich in der Motorsportpresse zu Wort: “In dem Moment war es sehr frustrierend. Aber rückblickend bin ich glücklich, dass wir jetzt so Rennen fahren können”, so der junge Fahrer, der erst seine zweite Saison in einem Formel-1-Wagen bestreitet. Sein Problem sei gewesen, dass die Entscheidung der Stewards in Präzedenzfällen anders ausgefallen sei. Doch nun, da er wisse, dass es erlaubt sei, würde er seinen Fahrstil dementsprechend anpassen: “Als Fahrer willst du immer so nah wie möglich am Limit sein, das dir von den Regeln vorgegeben wird. Ich werde definitiv etwas ändern und meine Aggressivität anpassen.”Endlich echtes Racing von Charles LeclercGesagt, getan. Am Sonntag beim Traditionsrennen in Silverstone zeigte er seine bislang beeindruckendste fahrerische Leistung und gab den zahlreichen Zuschauern in harten Zweikämpfen mit seinem Lieblings-Rivalen Max Verstappen und dessen Teamkollegen Pierre Gasly (der übrigens auch endlich aus seinem Lethargie-Loch zu kommen scheint) Grund zum Staunen. Zwar reichte es nur für den dritten Platz, die englischen Wetter-Verhältnisse spielten den Mercedes wieder einmal in die Karten, doch den hatte sich Leclerc redlich verdient.Im Interview mit Ex-Pilot Jenson Button nach dem Rennen strahlte Leclerc in die Kamera und sagte: “Das war das Rennen, was ich in meiner bisherigen F1-Karriere am meisten genossen habe.” Der Grand Prix in Österreich habe ihm die Augen geöffnet, so der Ferrari-Pilot: “Ich habe das dann hier umgesetzt. Max hat aber auch zugelassen, auf diese Weise zu kämpfen. Wir haben uns nichts geschenkt, aber es war alles im Rahmen des Erlaubten. Heute habe ich gezeigt, dass auch ich die Ellenbogen ausfahren kann.”Und wie! Die Anpassungsfähigkeit, die der 21-Jährige da an den Tag legte, ist nicht nur beeindruckend, sie bescherte uns auch das zweite wirklich, wirklich spannende Rennen in Folge. (Was natürlich nicht zuletzt auch damit zusammenhängt, dass Leclercs Team-Kollege Sebastian Vettel in der 37. Runde einen gravierenden Fahrfehler machte und damit nicht nur sich selbst, sondern auch Max Verstappen von der Strecke kickte und somit beiden Piloten die Chance aufs Treppchen nahm.)Bei Leclercs Lernkurve kann einem schwindelig werdenDass Leclerc krasse Lernkurven hinlegen kann, wussten wir allerdings schon vorher. Immerhin fährt der junge Mann aus Monaco erst seine zweite Formel-1-Saison, hat aber bereits geschafft, wovon die meisten Fahrer ein Leben lang nur träumen: Er fährt für Ferrari! Das Team erkannte das Talent des Nachwuchsfahrers bereits in seiner Zeit bei Sauber (und vermutlich schon vorher) und verkündete im September 2018, dass der Patensohn des verstorbenen Fahrers Jules Bianchi in der Saison 2019 für die Scuderia fahren würde – damals war Leclerc gerade einmal 20 Jahre alt. Keine zwei Jahre später befindet er sich auf Platz Fünf der gesamten Fahrerwertung – nur drei Punkte hinter Teamkollege Vettel, einem vierfachen Weltmeister.Der unglaubliche Niedergang des Sebastian Vettel_13.15Dass er nun trotz eines herben Rückschlags vor zwei Wochen mit einer solchen Abgeklärtheit auf die Strecke gehen und genau das abliefern kann, was er sich vorgenommen hatte, ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass er noch lange nicht alles gezeigt hat, was in seinem Köcher steckt. Und auch wenn Bottas und Hamilton in den Silberpfeilen zur Zeit noch dominieren, wird sich dieses Blatt irgendwann wenden und dann – und da möchte ich mich jetzt einfach mal festlegen – wird es nicht mehr lange dauern, bis wir Charles Leclerc irgendwann an der Spitze der Gesamtwertung sehen werden.



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Author : Jule Schulte

Publish date : 2019-07-15 12:16:46

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