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“Würde ihn rauswerfen”: FPÖ geht nach kritischem Interview auf TV-Journalisten los und spricht offen Drohungen aus

“Würde ihn rauswerfen”: FPÖ geht nach kritischem Interview auf TV-Journalisten los und spricht offen Drohungen aus




Ein Live-Interview im öffentlich-rechtlichen österreichischen Fernsehen ORF hat sich zu einem handfesten Skandal ausgeweitet. Für die FPÖ, weil sie findet, ihr EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky sei voreingenommen befragt worden. Für viele Beobachter, weil eben jene FPÖ seitdem offen gegen den Interviewer Armin Wolf vorgeht. Nachdem bereits Vilimsky während des Live-Gesprächs mit “Folgen” drohte und ORF-Stiftungsratsvorsitzender Norbert Steger dem Journalisten Wolf offen “ein Sabbatical” nahelegte, wehrt sich nun der Angegriffene selbst mit einem Blog-Eintrag. Was war geschehen? Vergangenen Dienstag lud Wolf im ORF Vilimsky zum Interview wegen der anstehenden EU-Wahl. Weil der FPÖ-Wahlkampf vergangene Woche jedoch von einer Kontroverse um einen Vizebürgermeister aus Braunau und dessen als rassistisch empfundenes Gedicht überschattet wurde, startet Wolf das Interview mit der Frage, warum es immer wieder solche “angeblichen Einzelfälle” bei der FPÖ gebe.Auf Nachfrage lässt er ein Plakat des Ringes Freiheitlicher Jugend Österreich (RFJ) einblenden, der Jugendorganisation der FPÖ. Darauf zu sehen: ein blondes Pärchen in Tracht und Arm in Arm, umgeben von düster dreinschauenden und mit verzerrten Fratzen bedrohlich gezeichneten Menschen, die ganz offensichtlich Muslime darstellen sollen. Dazu der Slogan “Tradition schlägt Migration” (Das Plakat aus der rund ein Jahr alten Kampagne finden Sie hier). Als Vilimsky das Bild verteidigt, lässt Wolf eine ähnlich abwertende Zeichnung eines Juden aus dem NS-Blatt “Stürmer” daneben stellen und fragt, was die beiden Bilder unterscheide. Für Vilimsky ist das “unterste Schublade”, es würde seine Partei in die Nähe von Nazis rücken. Dies “darf nicht ohne Folgen bleiben”, droht er. Auf die Frage antwortet er nicht. Hier die entsprechende Szene: IV ORFFPÖ fordert Rauswurf von Armin Wolf beim ORFIn den darauffolgenden Tagen feuerte die FPÖ aus allen Rohren gegen den Journalisten. Vilimsky forderte offen den Rauswurf von Wolf, FPÖ-Vizekanzler nannte das Interview mehrfach “widerlich” und verlangte, Wolf solle von seinen Vorgesetzten über das gesetzliche Objektivitätsgebot beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk belehrt werden. Der ORF-Stiftungsratsvorsitzende Steger – so etwas wie der Aufsichtsratpräsident des ORF und früherer FPÖ-Chef – fand die Fragen gar “pervers” und riet Wolf zu einer bezahlten Auszeit.Zunächst hatte ORF-Chef Alexander Wrabetz Wolf verteidigt. Er lasse sich nicht von einem Parteigeschäftsführer zurufen, wer welche Programme beim ORF moderiert. Dann verteidigte sich der Angegriffene selbst mit einem langem Blogbeitrag. Er würde die Frage zu dem Plakat so immer wieder stellen, bekräftigt Wolf darin, weil er glaube, dass sie dem Zuschauer einen Mehrwert bringe. Die FPÖ könne gerne offiziell Beschwerde einreichen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühle. Eine solche wäre aber laut Wolf “chancenlos” und sei deshalb noch nicht eingebracht worden.Außerdem deutet er an, dass der Eklat womöglich von vornherein geplant gewesen sein könnte, weil die FPÖ wenige Stunden nach dem Interview einen Wahlwerbespot veröffentlicht hätte, in dem eine “Armina Wolf” eine die Wahrheit verdrehende Journalistin spielt. Wahlwerbespot FPÖAllerdings wird diese nur per Bauchbinde so betitelt, was auch nachträglich hätte eingefügt werden können. So oder so gehört es zur Medienstrategie der FPÖ, sich als Opfer der Medien zu inszenieren. “Alle gegen die FPÖ” ist einer ihrer Slogans.Wolf TweetJournalist Wolf bekommt Rückendeckung unter anderem vom ORF-Redakteursrat, vom Deutschen Journalistenverband, vom österreichischen Medienminister Gernot Blümel und von zahlreichen bekannten Journalisten aus Deutschland und Österreich. Wolf selbst skizziert, so darüber Unklarheit bestünde, in einem angehefteten Tweet aus dem Sommer 2018 seine politischen Ansichten: Er sei “für Menschenrechte” und “Fakten” sowie “skeptisch-interessiert und militant unabhängig”. Seinen Blogbeitrag, mit dem er die Kontroverse aus seiner Sicht reflektieren und erklären wollte, schließt er mit den Worten: “Ich werde übrigens keine Auszeit nehmen.”Quellen:Blog Armin Wolf / Youtube / Oe24.at / heute.at / krone.at



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Author : Finn Rütten

Publish date : 2019-04-29 11:25:30

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